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in limbo

















in limbo, 2013–16, ø 50–90 cm, 11-teilige Werkgruppe
Atem, Glas, Basaltsand
Fotos: Astrid Ackermann, Anselmo Fox




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Anselmo Fox ist vielleicht der Künstler, der uns am radikalsten «ausser Atem» versetzt und uns bei einem Höchstmass an Entäusserung im Gegenzug betont körperlich erfasst. Der Atem stockt und bewegt, … Die Ordnung gerät aus den Fugen und bleibt doch im Rahmen. Das Undurchschaubare ist im Durchschaubaren eingebettet.­…
Was innen, was aussen ist, was Ein-, Auf- und Durchsicht ausmacht, ist unauflösbar ineinander verschmolzen präsent. Verzerrungen und Spiegelungen konfrontieren den Intellekt mit Unlesbarkeit. Aus den Angeln gehoben ist die für den Menschen gewohnte Verortung im Raum. Als plastisches Konzept wird eine räumliche Neuordnung angeregt. Als druckmodelliert könnte man die Wahrnehmungserfahrung vielleicht annähernd umschreiben. Glas ist transparent, Glas ist dehnbar, quetschbar, in allen erdenklichen Modi formbar. Nur beim nabelartigen Ansatzrohstück, durch das der Atem beim Einblasen des Glases floss, ist noch ein Einblick gewährt. Der Atem ist abwesend, dennoch präsent, konservierend eingegangen gleichsam in einem Raum dazwischen. Der Abdruck beziehungsweise Eindruck eines Schädels lässt die gleiche Ambivalenz bezüglich des Körperlichen und Körperlosen in einer visuellen Taktilität erahnen. Wichtig ist die Verkehrung der Verhältnisse. Denn der Atem, der normalerweise das Schädelinnere durchströmt, ermöglichte, gleichsam gegenläufig orientiert und ausgelagert, eine Überformung des Schädels als fragmentartigen Abdruck in die äussere Glasoberfläche. Schädel und Blase berühren sich, Getrenntes beinhaltet sich gegenseitig. Glas ist ein Medium der Erkenntnis. Um Objekte im engeren Sinn handelt es sich denn bei diesen philosophischen Werkzeugen nicht. Denken Sie trudelnd, denken Sie plastisch, fühlen Sie die Kraft der Modulation – das macht das Salz des Lebens aus.

 

Sabine Arlitt aus schwebende Zusammenhalt, Rede anlässlich der Ausstellung MehrSalz im Salzhaus Brugg Schweiz, 2014